Paech V – Ausgewachsen!

Ausgewachsen!

Zum Abschluss unserer fünfteiligen Reihe zu Niko Paech und seiner Perspektive auf den Themenkomplex des Postwachstums wenden wir uns schlussendlich dem zu, was Wachstum in unserer Gesellschaft verankert und welche konkreten Schritte zu einer Postwachstumsökonomie führen können.

Was aus den bisherigen Artikeln mitgenommen werden kann ist, dass Wachstum nur überwunden werden kann, wenn der Glaube an qualitatives vom Ressourcenverbrauch entkoppeltes Wachstum abgelegt wird. Außerdem müssen Wachstumsursachen analysiert und systematisiert werden um strukturelle Wachstumsursachen ausschalten zu können.

 

Der steile Weg vom Entkopplungsmythos zur Postwachstumsökonomie

Das Problem der meisten anderen Perspektiven in die Zukunft ist, dass noch unerschlossenes Potential als wissenschaftlich gesicherte Perspektive betrachtet wird. Diese Annahmen dienen dann dazu Wachstum zu rechtfertigen.

Dass ein konsumbasiertes Wohlstandsmodell nicht vom Wachstum abgekoppelt werden kann wird dabei jedoch außer Acht gelassen.

Das Fremdversorgungssyndrom als ein Dreh- und Angelpunkt der Wachstumsfrage

Nach Paech ist die industrielle Arbeitsteilung und die damit einhergehende vollständige Abhängigkeit der Grund für die strukturelle Wachstumsabhängigkeit. Dem fremdversorgten Individuum muss eine ständige, niemals versiegende Einnahmequelle bereitgestellt werden. Diese Rolle übernehmen die Unternehmen. Durch diese vollständige Abhängigkeit geht das Soziale komplett im Ökonomischen auf. Der gegenwärtige vorherrschende Strukturkonservatismus sorgt für unveränderte Versorgungsmuster.

Dieser Logik folgend steigt das erforderliche Wachstum mit der Stufe der Spezialisierung, weil die Aufwendungen für die Initiierung wieder eingenommen werden müssen. Um diesen Mechanismus umzukehren gilt es die Distanz zwischen Produktion und Verbraucher zu reduzieren. Somit könnten strukturelle Wachstumszwänge abgebaut werden. Diese kann beispielsweise durch eine genossenschaftliche Organisation geschehen.

Weiterhin ermöglicht das Übereinstimmen mit dem ethischen Ziel eines Unternehmens einen niedrigeren Zinssatz. Der reduzierte monetäre Gewinn wird in ein mehr an ethischer Lebensqualität verwandelt.

Eine weitere Maßnahme gegen den strukturellen Wachstumszwang kann die Einführung von Regionalwährungen sein (siehe z.B. den Chiemgauer). Diese Bewirken, dass das Geld permanent im Umlauf gehalten wird weil ansonsten Wertverlust droht. Damit würde auch die Zinsproblematik gelöst, weil es nicht rentabel ist größere Mengen an Geld zum Zwecke des Kapitalertrags zu horten.

 

Fünf Schritte zur Postwachstumsökonomie  

Paechs weg zur Postwachstumsökonomie bedeutet also den Rückbau der industriell-arbeitsteiligen Versorgungssysteme und Infrastrukturen. Die Kombination von fünf Ansätzen kann den Weg in diese Richtung leiten. Suffizienz, Subsistenz, Regionalökonomie, Stoffliche Nullsummenspiele und institutionelle Innovationen.

Suffizienz soll dazu durch das Ausmustern von verzichtbarem Konsum beitragen. „Wohlstandsschrott“ soll somit der Vergangenheit angehören.

Subsistenz ermöglicht Versorgungsstrukturen mit geringer Distanz zwischen Verbrauch und Produktion zu etablieren. Selbst und Fremdversorgung werden so in ein neues Gleichgewicht gesetzt. Dies hätte eine graduelle De-Globalisierung zur folge.

Anschließend daran ermöglicht Regionalökonomie die Befriedigung von Bedürfnissen durch regionale Angebote. Kombiniert mit einer Regionalwährungen bindet dies die Kaufkraft an die Region.

Stoffliche Nullsummenspiele gelingen durch die Ausrichtung der Produkte auf Langlebigkeit und die Reduktion der Wochenarbeitszeit. So können materielle Ressourcen ersetzt werden durch eigene handwerkliche Fähigkeiten zur Eigenproduktion und Nutzungsdauerverlängerung, durch die Zeit, welche dazu nötig ist und durch soziale Interaktionen zum Zwecke der Gemeinschaftsnutzung.

Institutionelle Innovationen wie der Rückbau von Infrastruktur, Förderung von Regionalwährungen oder eine individuelle CO² Bilanz liefern einen neuen strukturellen Unterbau für das Funktionieren der Wirtschaft.

Ausblick

Doch selbst Niko Paech sieht die freiwillige und ungezwungene Umsetzung dieser Maßnahmen als nicht sehr realistisch an. Sein Ziel ist es einen Plan für den Fall vorzubereiten, dass ein wirtschaftlicher oder ökologischer Zusammenbruch dies nötig macht. Von dieser Notwendigkeit ist er überzeugt. Es geht nicht mehr um ein aktives Handeln, so Paech,  sondern nur noch darum, den Aufprall zu dämpfen.

 

 

Die Inhalte beziehen sich auf das von Niko Paech verfasste Kapitel Vom vermeintlich nachhaltigen Wachstum zur Postwachstumsökonomie, welches in dem Sammelband Ausgewachsen! im Rahmen eines Projekts von ATTAC herausgegeben wurde. Das gesamte Buch steht hier gratis zum Download bereit.

 

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