W. I. Thomas die ersten Schriften

 

Auf den Spuren des Thomas-Theorems

Um die ursprüngliche Intention des Thomas-Theorem besser verstehen zu können begebe ich mich an den Anfang der wissenschaftlichen Karriere von W. I. Thomas. Mit Hilfe der ersten Veröffentlichungen beginnt die Spurensuche.

Im Fokus meiner Suche steht alles, was auf die Methoden und Aufgaben der Soziologie hinweist. Weiterhin wäre es ein Erfolg bereits Hinweise auf den später etablierten Fokus auf Subjektivität feststellen zu können.

Tatsächlich wird bereits in der 1896 veröffentlichten Arbeit über die Ziele und Methoden der Alltagspsychologie die Wichtigkeit der sozialen Interaktion und die daraus resultierende Intersubjektivität für das Verstehen der Besonderheit des Menschen betont. Der Dualismus aus Individuum und Gesellschaft verweist auf die Wichtigkeit der subjektiven Perspektive.

Die Grundfrage der Soziologie nach dem Entstehen und Bestehen von Ordnung untersucht Thomas mit Hilfe dieser Perspektive. Formen der Kontrolle und deren Veränderung identifiziert er als einen Gegenstand der Soziologie mit dem Ziel diese Umstände gestaltbar zu machen.

Zum Verständnis der bestehenden Verhältnisse widmete sich Thomas in den folgenden Jahren grundlegenden Fragen. Dabei handelt es sich um die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern, ihre Arbeitsteilung und den Ursprung von Kleidung mit der Frage nach der Sittsamkeit. Das Grundlegende in diesen Fragestellungen zeichnet sich dadurch aus, dass sie für jede Zeit anwendbar scheinen und immer eine gewisse Aktualität besitzen.

Das Vorgehen in diesen Studien ist stets gleich. Mit der Hilfe einer Vielzahl von ethnologischen Betrachtungen von zu meist “primitiven” Völker und nach Möglichkeit dazugehörigen Aussagen der Beobachteten wird eine hohe Diversität von Perspektiven zur Fragestellung abgebildet. Am Ende eines jeden Artikels folgt der Rückschluss auf die momentanen Gegebenheiten in sehr kurzer Form. Das jedoch zeigt den Stellenwert, welcher auf das Verstehen gelegt wird bevor eine Aussage folgen kann.

Abseits von den strikt methodologischen Beobachtungen gibt es noch grundsätzliches zu seiner Perspektive festzuhalten. So ist trotz der stark vom Fortschrittsglauben behafteten Perspektive welche sich in Phrasen wie “primitive Völker” und “weniger entwickelte Völker” (um nur wenige Beispiele aus einer Vielzahl zu nennen) ein für diese Zeit stark progressiver Grundton zu vernehmen. Dieser zeigt sich vor allem in der Auffassung, dass Rassen, sofern sie existieren sollten, auf keinen Fall eine biologische Kategorie seien, sondern nur eine soziale sein können. Auch in Fragen Geschlechterhierarchie war er seiner Zeit voraus.

Ein auffallend großer Teil der Quellen besteht aus deutschen Ethnologen. Die lässt sich, neben der herausragenden Rolle der deutschen Universitäten zu dieser Zeit, mit einem Aufenthalt in Deutschland (entnommen dieser Kurzbiografie) erklären.

Eine wichtige Verbindung fehlt bisher noch, nämlich die Dissertation von 1897. Diese ist die nächste Anlaufstelle.

 

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