Was vom 18. Jahrhundert übrig blieb

Dissertation und Moral

Mit der Jahrhundertwende und dem Beginn des 20. Jahrhundert ändert sich auch die wissenschaftliche Vorgehensweise von W. I. Thomas, so viel kann ich bereits vorwegnehmen. Doch um das alte Jahrhundert abzuschließen soll kurz zusammengefasst werden, welche Hinweise auf das Thomas-Theorem sich in den beiden übrigen Schriften noch finden.

 

Die von 1897 stammende Dissertation über die geschlechterspezifischen Unterschiede im Stoffwechsel und der Artikel über die genese von Moral von 1899 deuten die bevorstehende Veränderung der Methode von Thomas bereits an.

Erstere Arbeit, welche nebenbei bemerkt für eine Doktorarbeit mit knapp 30 Seiten sehr kurz ist, versucht grundlegende Unterschiede zwischen den Geschlechtern über den Stoffwechsel zu erklären. Dabei wird mit Hilfe von empirischen belegen wie körperlicher Leistungsfähigkeit, der Streuung von Intelligenz, dem Gewicht von Gehirnen und diversem anderem mehr zu belegen versucht, dass sich die Geschlechter in der Art des Stoffwechsels tendenziell unterscheiden. So sind Frauen eher anabol angelegt, wohingegen Männer hin zum katabolen neigen. Aus dieser grundlegenden Verschiedenheit schließt Thomas eine Vielzahl von Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben. Weiter noch, dieser Unterschied im Stoffwechsel legt demnach die soziale Struktur  fest.

Ohne weiter auf den Inhalt einzugehen lässt sich feststellen, dass die biologischen Grundlagen den Großteil dieser Arbeit ausmachen, bevor am Ende kurz der Zusammenhang zum gesellschaftlichen Leben erläutert wird. Daher steht diese Arbeit stellvertretend für die Arbeiten von Thomas vor 1900 in denen oft der Anschein erweckt wird das gesellschaftliche Leben leite sich zwangsläufig aus den biologischen Gegebenheiten ab.

 

In der zweiten Arbeit über die Herleitung von Recht und den dazugehörigen Instanzen über die Moral wird erneut der Kontrast zwischen den Geschlechtern verwendet um einen Ansatzpunkt zu finden. Auch die empirischen Grundlagen sind wie in vorhergegangenen Arbeiten primitive Stämme und Völker. Anhand der Fragen wessen Aktivität zu regulieren ist um das funktionieren einer Gruppe zu gewährleisten leitet Thomas ab, dass es bei typisch männlichen Aktivitäten eher Regulierungsbedarf gibt. Daher kommen diese auch eher in Kontakt mit dem dazugehörigen System.

Eine wichtige Einsicht erhalten wir jedoch dadurch, dass Thomas in den daraus resultierenden Umständen explizit keine Zwangsläufigkeiten sieht. Diese werden viel mehr auch als Folge von Gewohnheiten und gezielter Aufmerksamkeit interpretiert. In  vorangegangenen Untersuchungen wurde dies zwar nicht explizit ausgeschlossen, jedoch wurde auch kein besonderer wer darauf gelegt. Damit stellt Thomas neben die biologische Herleitung von sozialen Tatsachen auch einen zweiten Erklärungsansatz.

 

Wenn es sich dabei auch um einen kleinen Hinweis handelt, die Richtung hin zum Thomas-Theorem lässt sich erahnen.

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