Paech IV – Ausgewachsen!

Ausgewachsen!

Einleitend in das Buch Ausgewachsen!, in welchem Niko Paech die Idee von seinem Weg in die Postwachstumsökonomie schildert, wird ein kurzer Überblick über das Thema der Wachstumskritik gegeben. Dieser Überblick ist nützlich um die von Paech vertretene Position einzuordnen und einen Einblick in das noch junge Feld der ökonomischen Wachstumskritik zu bekommen. Die verschiedenen Richtungen der Wachstumskritik und noch strittige Fragen einer Postwachstumsökonomie werden angelehnt daran im folgenden Beitrag erläutert.

Denkhorizonte ermöglichen

Wirtschaftswachstum ist die  Ursache der weltweiten Probleme. Das Entstehen eines Postwachstumssystems ist somit unumgänglich, nur die Frage der Ausgestaltung bleibt offen. Wie also soll eine solche Bewegung aussehen? Vier Fragen geben dazu die erste Perspektive. Ist Wachstum, so wie wir es kennen, technisch noch möglich? Kann Wachstum im Hinblick auf die Generationengerechtigkeit weiterhin aufrechterhalten werden? Ist Wachstum mit all seinen Konsequenzen wünschenswert? Wer bestimmt über den Pfad in die Zukunft?

Unterschiedliche Richtungen der Wachstumskritik

Im Jahre 1930 wurde das BIP als absolute Messgröße für Wohlstand und Fortschritt als Reaktion auf die Wirtschaftskrisen erdacht. Dieses setzt Wachstum als Erfolgsindikator für die Entwicklung eines Landes fest und muss daher mit der Abkehr vom Wachstum auch abgelöst oder überarbeitet werden.

Für diese neue Ausrichtung gibt es fünf gegenwärtig diskutierte Ansätze:

  • Nachhaltige Wachstumsmodelle und alternative Wohlstandsindikatoren sollen in das BIP integriert werden.
  • Wachstumskritik dient als Mittel für den Sozialabbau und konservative Politik.
  • Strukturkonservative Wachstumskritik setzt sich für Wachstumsunabhängigkeit ein.
  • Degrowth (Wikipedia dazu) als Alternative zum Wachstum und Kapitalismus. Dabei soll erst eine Schrumpfung und dann Stabilisierung der Wirtschaft eintreten. Dieser Ansatz verfolgt Radikal-demokratische Intentionen und nutzt die Begrenztheit der Natur als Antrieb für eine sozial-ökologische Transformation.
  • Der globale Süden will sich nicht weiter an den westlichen, kapitalistischen und wachstumsbasierten Modellen orientieren und entwickelt Tendenzen dahingehend ein eigenständiges Konzept des guten Lebens zu entwerfen. Dieses soll auf Gemeingütern, Geschlechtergerechtigkeit, der Partizipation aller gesellschaftlicher Gruppen  und Rechten für die Natur als Rechtssubjekt basieren.

 

Postwachstumsökonomie – ein umstrittenes Feld

Wie in der Einleitung bereits erwähnt ist die Postwachstumsökonomie ein noch junges und umstrittenes Feld. Eine Vielzahl offener Fragen wartet noch auf ihre Beantwortung.

Zu aller erst stellt sich die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Wachstum des BIPs und der kapitalistischen Ökonomie. Ist Wirtschaft jenseits des Wachstums überhaupt möglich?

Auf welcher Ebene soll eine Postwachstumsökonomie ansetzen? Ist eher ein globaler Ansatz mit individuellen Verpflichtungen erstrebenswert? Dies würde bedeuten, dass weniger Konsum als Selbstverpflichtung wahrgenommen wird um die Folgen des Konsums zu reduzieren. Oder aber alternativ ein handeln auf gesellschaftlicher und damit nationaler Ebene, bei dem die Restriktionen von oben kommen.

Was können konkrete Hebel für die Reduktion der gesellschaftlichen Produktion sein? Kürzere Erwerbsarbeit? Demonetarisierung? Ausdehnung von Projekten solidarischer Ökonomie? Peer-to-Peer Produktion? Gemeingüter? Die gesellschaftliche Kontrolle von Investitionen?

Ist es wirklich notwendig eine Politik zu betreiben, welche wachstumskritisch ist und Postwachstum als Ziel hat? Reicht es nicht viel eher aus darauf zu vertrauen, dass durch die Umsetzung gewisser Ideen Wachstum als Nebenfolge reduziert und überflüssig wird?

Deutlich wird durch die Vielzahl an offenen Fragen, welche enorme Arbeit in dem Feld der Postwachstumsökonomie noch zu leisten ist.

 

Die Inhalte beziehen sich auf das von Egan-Krieger et al. verfasste Kapitel Ausgewachsen!, welches in dem Sammelband Ausgewachsen! im Rahmen eines Projekts von ATTAC herausgegeben wurde. Das gesamte Buch steht hier gratis zum Download bereit.

 

 

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