Handeln und Sprechen offenbaren den Menschen

Handeln und Sprechen offenbaren den Menschen

Hannah Arendt (Wiki) beschäftigt sich mit der Funktion der Sprache. Dabei betrachtet sie Sprechen und Handeln als die zwei Kategorien, die es den Menschen ermöglichen sich aktiv voneinander zu unterscheiden. Für Arendt macht dies den Menschen an sich aus.

Handeln und Sprechen sind durch Initiative gekennzeichnet. Jedoch kann sich kein Mensch, der Mensch sein will diesen beiden Kategorien völlig enthalten. Sich enthalten hieße bereits tot im Leben zu sein. Die Möglichkeit der Interaktion wird dadurch erst ermöglicht. Initiative deutet Arendt als Rückbezug zur eigenen Geburt, welche diese bedingt. Handeln ist dabei immer gleichzusetzen damit etwas neues zu beginnen.

Dadurch, dass jeder Mensch auf der Welt neu ist, fängt auch jeder Mensch von neuem an und bildet somit im Handeln zugleich einen Neuanfang. Folgt man Arendt, so ist erst mit dem Menschen die Person geworden. Vorher war nicht nichts, sondern Niemand. Mit der Geburt der Person geht auch Freiheit, oder der freie Wille, einher.

Was bedeutet es etwas Neues zu vollziehen? Etwas Neues bedeutet immer etwas unvorhergesehenes. Somit ist das einzig Sichere, dass etwas unsicheres geschieht. Arendt beschreibt das Handeln als einen kreativen Prozess, der nur in seiner Unvorhersehbarkeit vorhersehbar ist. Erst dadurch wird die Einzigartigkeit des Menschen ermöglicht.

Unterscheidung von Handeln und Sprechen

Der Mensch erschafft sich somit in seinen Handlungen. Die Sprache drückt genauso Verschiedenheit aus, jedoch mit dem Zusatz einer gesellschaftlichen Komponente. Der Zusammenhang zwischen Beginnen und Handeln ist enger, als zwischen Sprechen und Beginnen. Im Gegenzug ist Sprechen besser dazu geeignet Aufschluss über die Person zu geben und sich damit anderen zu erkennen zu geben. Trotzdem müssen Handlungen von Sprechen begleitet sein um ihren Sinn in der Welt zu finden  und sich selbst dabei zu erkennen zu geben.

Handeln und Sprechen in Zwecken

Weder Handeln noch Sprechen erfüllen ihren „Zweck“ am besten. Zur Informationsübermittlung gibt es bessere Mittel, genauso zum erreichen von Zielen. Handeln und Sprechen sind jedoch mit dem Nebeneffekt der Selbstoffenbarung, also dem sich selbst und anderen zu erkennen geben, ausgestattet. Diese Offenbarung ist keine gesteuerte, sondern ein von anderen erkannt werden. Dabei ist das, was die anderen in einem erkennen der Person selbst oft nicht so klar sichtbar und daher auch nicht steuerbar.

Dieses erkannt werden gelingt nur in einer Haltung des Miteinanders. So werden bei den beiden Extremen von Selbstsucht und Selbstaufopferung keine Verständigung sondern nur Fremdheit in einer Gesellschaft erzeugt. Deren Inkarnation, der Verbrecher und der Heilige, dienen nicht als real zugängliche Personen. Wenn dies der Fall ist verkommen sowohl Handeln als auch Sprechen zu rein mechanischen Angelegenheiten, die nur zum Erreichen eines Zweckes bestehen.

Der Unterschied zwischen Handeln und produktiver Tätigkeit

Um den Begriff der Handlung zu konkretisieren und besser greifbar zu machen kann er von der produktiven Tätigkeit abgegrenzt werden. Somit bedient sich Handeln zwangläufig einer Person, deren Geschichte damit verbunden ist. Bei der produktiven Tätigkeit steht im Gegensatz dazu am Ende ein Objekt, welches für sich selbst stehen kann.

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